Hinter der Kamera
„Ein fertiges Naturfoto zeigt oft nur den Bruchteil einer Sekunde – doch der Weg zu diesem Moment ist oft eine eigene Geschichte.
In dieser Rubrik nehmen wir euch mit auf unsere Streifzüge durch die Natur. Wir erzählen euch von den frühen Morgenstunden im dichten Nebel, der Geduld und der Faszination, wenn ein wildes Tier uns für einen kurzen Augenblick in seine Welt lässt.
Hier teilen wir nicht nur unsere Erlebnisse und die Geschichten hinter den Bildern, sondern geben euch auch Einblicke in unsere Technik und die kleinen Abenteuer, die wir abseits der Wege erleben.
Taucht ein in unsere Welt vor und hinter der Linse.
Viel Freude beim Lesen.
Monika & Roland“
Unter dem weiten Himmel der Extremadura
Ein Streifzug durch Spaniens wilden Westen
Ein frostiger Start ins Abenteuer
Unser erster Tag in Spaniens wildem Westen begann alles andere als sonnig und warm, wie man es vielleicht erwarten würde. Es war Dezember, und die Morgenstunden in der Extremadura hielten eine Überraschung für uns bereit: Es herrschte dichter Nebel und die Temperatur lag bei frostigen minus 2 Grad.
Uns war sofort klar: Wir wollen die Könige der Lüfte sehen – die majestätischen Greifvögel wie Gänsegeier und vielleicht sogar den mächtigen Mönchsgeier.
Am Beobachtungsort angekommen, hiess es erst einmal: Geduld beweisen. Wir harrten aus. Die Kälte kroch unter unsere Kleidung, doch die Vorfreude war grösser. Wir wussten, dass sich der Nebel irgendwann lichten würde und sich uns dann ein spektakuläres Bild bieten würde.
Und es hat sich gelohnt!
Als die Sonne endlich durch die Nebelschwaden brach und die Landschaft in ihr besonderes Licht tauchte, konnten wir die Gänsegeier aus nächster Nähe beobachten und fotografieren. Die Anspannung wich purer Begeisterung. Das Ausharren bei minus 2 Grad hat sich gelohnt – wir konnten fantastische Fotos dieser beeindruckenden Vögel schiessen.
Es sind genau diese Momente, die unsere Leidenschaft für die Naturfotografie ausmachen: Die Hingabe, die Kälte, die Geduld und am Ende das unvergleichliche Gefühl, der Natur so nah zu sein.
Wilde Begegnungen in der Unendlichkeit der Extremadura
Die Extremadura ist ein Land der Superlative und der Stille. Mit einer Fläche von über 41.000 km² ist sie fast deckungsgleich mit der Grösse der Schweiz. Doch während sich in der Schweiz fast 9 Millionen Menschen diesen Raum teilen, leben in der Extremadura gerade einmal rund eine Million. Diese unendliche Weite und Einsamkeit sind tief beeindruckend und machen die Region zu einem Paradies für die Tierwelt.
Auf einer unserer Fahrten durch diese einsamen Landschaften erlebten wir einen dieser magischen Momente, die man nicht planen kann: Plötzlich, mitten auf der Strasse, standen sie vor uns – eine Gruppe prächtiger Hirsche.
Wir hielten das Auto sofort an und stellten den Motor ab. In der absoluten Stille der Dehesa wagten wir uns vorsichtig und mit grossem Respekt zu Fuss weiter vor. Die Tiere blieben erstaunlich ruhig, und so gelang es uns, uns ihnen extrem weit zu nähern.
In diesem Moment zählte nur noch der Fokus der Kamera und das Klopfen unserer Herzen. Wir konnten wunderschöne Aufnahmen machen, die die stolze Eleganz dieser Tiere in ihrem wilden Lebensraum einfangen. Es war eine Begegnung, die uns einmal mehr gezeigt hat: In der Extremadura gehört der Raum noch der Natur.




